Heute vor 17 Jahren: Das Wunder von Bratislava


Heute vor 17 Jahren, am 10. Mai 1992, hatten die Schweizer erstmals seit 1953 wieder die Möglichkeit, an einer Weltmeisterschaft eine Medaille zu gewinnen. Aber sie verloren in Prag das Bronzespiel gegen die Tschechen nach einem 2:2-Zwischenstand (42. Minute) noch mit 2:5 und mussten die bittere Enttäuschung des undankbaren 4. Schlussranges schlucken. Das WM-Turnier ging als "Wunder von Bratislava" in die Schweizer Eishockey-Geschichte ein. Grund: Rund zwei Monate nach dem Olympia-Debakel in Albertville (10. Rang unter 12 Nationen), mit dem Finnen Juhani Tamminen an der Bande, eröffneten die nun von Bill Gilligan und John Slettvoll gecoachten Schweizer das Turnier in Bratislava mit zwei Exploits gegen Russland (2:2) und Kanada (1:1). Mit Siegen gegen Frankreich (6:5) und Norwegen (3:1) qualifizierten sie sich anschliessend für die Viertelfinals, wo sie mit einem 3:1-Erfolg gegen Deutschland unter die vier Topnationen vorstiessen. Den Halbfinal gegen Schweden verloren sie nach einem 0:3-Rückstand nach nur 13 Minuten mit 1:4 und das Bronzespiel gegen die Tschechen mit 2:5. Die herausragenden Schweizer waren die beiden Goalies Reto Pavoni und Renato Tosio, der Verteidiger Sven Leuenberger und die beiden Stürmer Jörg Eberle und Patrick Howald.

Der selbstkritische Bill Gilligan vermochte sich der allgemeinen Euphorie nicht anzuschliessen. Auf die Frage, ob die Schweiz nun eine Spitzennation sei, antwortete der Amerikaner: "Nicht unbedingt. Wir sind nicht viel stärker als Frankreich oder Norwegen, die wir nur mit Müh’ und Not mit 6:5 und 3:1 bezwungen haben. Erst wenn wir einmal regelmässig Schweden, Kanada, Russland oder eine andere Eishockey-Grossmacht schlagen, dann können wir von einer Spitzennation Schweiz sprechen."

Heute vor 5 Jahren: Roachs Penalties zu Bronze


Heute vor 5 Jahren, am 9. Mai 2004, gewann Team USA in Prag hinter Kanada und Schweden überraschend die Bronzemedaille. Die Überseer verdankten den 3. Schlussrang nicht zuletzt ihren starken Nerven. Im Viertelsfinal schlugen sie die Mannschaft der Gastgeber nach 60 Minuten regulärer Spielzeit und zehnminütiger Verlängerung im Penaltyschiessen mit 3:2. Nach der 2:3-Niederlage im Halbfinal gegen Schweden das gleiche Prozedere gleich nochmals im Spiel um den 3./4. Platz gegen die Slowakei. Das Spiel um Bronze stand nach 70 Minuten sogar 0:0 und wiederum setzten sich die Amerikaner im Penaltyschiessen durch. Ihr Held auf dem Weg zur Bronzemedaille war der Verteidiger Andy Roach. Sowohl gegen die Tschechen als auch gegen die Slowaken verwandelte er den alles entscheidenden Penalty. Er ist bis heute der einzige Spieler, der im Rahmen einer WM zwei siegbringende Strafstösse verwandelte. Andy Roach erhielt in der NHL eine einzige Chance. Nach dem Abstieg mit Lausanne in die NLB (2004/05) wechselte er zu den St. Louis Blues. Doch nach nur fünf Spielen kehrte er in die Schweiz zurück und landete mit den ZSC Lions erneut in den Playouts…

Heute vor 15 Jahren: Gold dank Lucky Luc

Heute vor 15 Jahren, am 8. Mai 1994, konnten die Kanadier nach über drei Jahrzehnten wieder einmal stolz in den Spiegel schauen. Erstmals nach 33 Jahren waren sie Weltmeister geworden. Im Final in Mailand schlugen sie Finnland mit 2:1 nach Penaltyschiessen. Den alles entscheidenden Penalty verwandelte "Lucky" Luc Robitaille von den Los Angeles Kings, mit 1394 Skorerpunkten in 1431 Spielen noch heute der erfolgreichste Linksaussen der NHL-Geschichte. Dann stoppte der kanadische Torhüter Bill Ranford von den Edmonton Oilers den späteren NLB-Stürmer von GC, Mika Nieminen. Es war das erste Mal in der WM-Geschichte, dass ein Penaltyschiessen über Gold oder Silber entscheiden musste. Die Kanadier, die zwei Monate zuvor in Lillehammer (Nor) den Olympiafinal gegen Schweden nach Penaltyschiessen mit 2:3 verloren hatten, waren geradezu gierig auf den WM-Titel. Letztmals hatten sie diesen 1961 an der WM in Genf und Lausanne gewonnen. Die legendären Trail Smoke Eaters, die "Rauchfresser" aus Trail, bildeten die kanadische Nationalmannschaft. 33 Jahre danach hängte Kanadas Teamchef Glen Sather in der Garderobe in Mailand ein Originaltrikot der Trail Smoke Eaters auf, um die Spieler jeden Tag daran zu erinnern, was von ihnen erwartet wird.

Heute vor 14 Jahren: Lupu, Tupu und Hupu mit Gold

Heute vor 14 Jahren, am 7. Mai 1995, schlug die Sternstunde des finnischen Eishockeys. Das erste und bisher einzige Mal Weltmeister, mit einem 4:1-Finalsieg gegen Erzrivale Schweden. Das Ganze in Schweden (Stockholm) und erst noch mit einem schwedischen Coach (Curt Lindström). Das Endspiel entschied eine blutjunge Angriffslinie praktisch im Alleingang: Jere Lehtinen (22-jährig; heute Dallas Stars), Saku Koivu (21; Montreal Canadiens) und Ville Peltonen (22; Florida Panthers). Das Trio spielte derart frech und unbeschwert, dass es mit den Walt-Disney-Figuren Tick, Trick und Track verglichen wurde - auf finnisch Lupu (Lehtinen), Tupu (Koivu) und Hupu (Peltonen). Ville Peltonen war im Goldmedaillenspiel gegen die Schweden der Matchwinner. Zwischen der 9. und 42. Minute schoss er drei Tore hintereinander und bereitete schliesslich auch noch das 4:0 vor. Elf Jahre später begeisterte Ville Peltonen auch die Schweizer Eishockeyfans, als er zusammen mit seinem Landsmann Petteri Nummelin und dem kanadischen Topskorer Glen Metropolit den HC Lugano zum Titelgewinn führte. Rund die Hälfte der finnischen Weltmeister-Mannschaft von 1995 spielte früher oder später in der NLA und der NLB: Torhüter Ari Sulander (ZSC Lions), Petteri Nummelin (Lugano, Davos), Janne Niinimaa und Erik Hämäläinen (beide SCL Tigers), Marko Kiprusoff (Kloten), Timo Jutila und Raimo Summanen (beide SC Bern), Mika Strömberg (Freiburg/Chur), Hannu Virta und Mika Nieminen (beide GCK Lions) und Ville Peltonen (Lugano).

Heute vor 3 Jahren: Schwedens Start zum Double

Heute vor 3 Jahren, am 6. Mai 2006, gewannen die Schweden in Riga (Lett) ihr WM-Eröffnungsspiel gegen die Ukraine mit 4:2. Es war ihr erster Sieg auf dem Weg zu einem Double, welches es in der Eishockey-Geschichte noch nie gegeben hatte: Der Gewinn der Goldmedaille an einer Weltmeisterschaft und an Olympischen Spielen im gleichen Jahr. Headcoach war Bengt-Ake Gustafsson, der 1999/00 und 2000/01 noch die SCL Tigers trainiert hatte. Acht seiner Spieler standen sowohl nach dem Olympia-Turnier in Turin als auch nach der WM in Riga zuoberst auf dem Siegerpodest: Stefan Liv, Ronnie Sundin, Niklas Kronwall, Mika Hannula, Henrik Zetterberg, Mikael Samuelsson sowie Jörgen und Kenny Jönsson. Die Jönsson-Brüder und Peter Forsberg waren bereits 1994 in Lillehammer (No) Olympiasieger geworden zusammen mit Mats Naslund, der 1991 als Topskorer von Lugano (42 Spiele/31 Tore/38 Assists/69 Punkte) erst im Playofffinal vom SCB gestoppt wurde. Auch Mats Naslund wurde in Turin nochmals Olympiasieger ? diesmal nicht als Spieler, sondern als Teamchef der Schweden. Bengt-Ake Gustafsson wurde in Riga als Weltmeister in einen exklusiven "Klub" des Welteishockeys aufgenommen. Neben den Russen Wsewolod Bobrow, Boris Michailow und Wjatscheslaw Bykow sowie den Tschechen Ivan Hlinka, Josef Augusta und Wladimir Ruzicka ist er erst der siebte Eishockeyaner, der als Spieler (1987 und 91) und Trainer einen WM-Titel gewann.

Heute vor 9 Jahren: Lettlands historischer Triumph

Heute vor 9 Jahren, am 5. Mai 2000, feierten die Letten den bedeutendsten Triumph ihrer Eishockey-Geschichte. An der WM in St. Petersburg (Rus) schlugen sie erstmals den ?Grossen Bruder?, die Russen. Aleksandrs Belavskis (1) und Aleksandrs Semjonovs (2) erzielten die Tore zur 3:2-Sensation gegen eine erstklassig besetzte russische Mannschaft mit Ausnahmekönnern wie Pavel Bure (Florida Panthers), Alexei Jaschin (Ottawa Senators) und Valeri Kamenski (New York Rangers). Der Held der Letten war Torhüter Arturs Irbe vom NHL-Klub Carolina Hurricanes, der 95 Prozent aller Schüsse abwehrte. Am Ende der WM waren die Letten (8.) sogar erstmals vor den schwer enttäuschenden Russen klassiert (11.). In die A-Gruppe stiegen sie 1996 in Eindhoven (Ho) auf. Sie gewannen das WM-B-Turnier mit nur einem einzigen Punktverlust gegen die Schweiz (1:1), die aber das Startspiel gegen Weissrussland (2:4) verlor und diese Niederlage in den darauffolgenden sechs Spielen nicht mehr korrigieren konnte. Schlüsselspieler waren damals die beiden abschlussstarken Stürmer Olegs Znaroks und Harijs Witolinsh. In der Zwischenzeit sind sie zum Headcoach (Znaroks) und zum Assistenztrainer (Witolinsh) der WM-Mannschaft 2009 aufgestiegen.

Heute vor 5 Jahren: Sayonara für Japan

Heute vor 5 Jahren, am 4. Mai 2004, bestritt die japanische Nationalmannschaft in Prag gegen Frankreich (2:2) ihr 36. und letztes Spiel an einer A-WM. "Tschüss" oder "Sayonara" hiess es danach für die Asiaten, die von 1998 bis 2004 an sieben A-Turnieren als Vertreter ihres Kontinentes ohne die nötige sportliche Qualifikation gesetzt waren. Der Internationale Verband wollte mit dieser Massnahme das Eishockey-Geschäft in Japan und ganz Asien weiter vorantreiben, doch die rein wirtschaftlichen Überlegungen brachten nicht den erhofften Erfolg. Sportlich waren die WM-A-Turniere für die in allen Belangen völlig überforderten Japaner eine Strafaufgabe. Von 36 Spielen gewannen sie kein einziges, verloren 32 und die einzigen Erfolgserlebnisse waren vier Unentschieden gegen Norwegen (2001; 3:3), Slowenien (2003; 3:3), die Ukraine (2004; 2:2) und Frankreich (2004; 2:2). Headcoach der Japaner war von 1999 bis 2002 Steve Tsujiura, ein japanisch-kanadischer Doppelbürger, der Anfang der 90er-Jahre zu den attraktivsten und beliebtesten Stürmern in der Schweiz gehörte. 1990 holte ihn Luganos Headcoach John Slettvoll für den Meisterschaftsfinish ins Tessin. Auf dem Weg zum Titelgewinn war der nur 1,66 m "grosse" Steve Tsujiura in neun Playoffspielen (4 Tore/6 Assists) hinter Andy Ton (10/13) und Jürg Eberle (6/6) der drittbeste Skorer der Luganesi. Drei Jahre später war er wiederum als Topskorer massgeblich am Aufstieg von Davos in die NLA beteiligt.

Heute vor 31 Jahren: Beginn des Miracle on ice

Heute vor 31 Jahren, am 3. Mai 1978, wurde an der WM in Prag der Grundstein zum "Wunder von Lake Placid" gelegt. Team USA lag nach fünf Niederlagen in Serie gegen die Sowjetunion (5:9), Schweden (1:5), Kanada (2:7), Tschechoslowakei (3:8) und Deutschland (4:7) als einzige Mannschaft punktlos am Tabellenende und war stark abstiegsgefährdet. Die amerikanische Mannschaftsleitung versuchte mit einer ungewöhnlichen Massnahme zu retten, was noch zu retten war. Mitten im Turnier entliess sie den legendären Headcoach John Mariucci und ersetzte ihn durch Herb Brooks, der bis zur grössten Sensation der Eishockey-Geschichte, bis zum "Wunder von Lake Placid", dem Olympiasieg 1980 gegen die hochfavorisierten Sowjetrussen, Cheftrainer blieb. An der WM 1978 in Prag vermochte Herb Brooks vorerst einmal den Abstieg mit sechs Punkten in den letzten fünf Spielen zu vermeiden. Die entscheidenden Punkte erkämpften sich die US-Boys im zweitletzten Relegationsrundenspiel gegen Finnland. Zweifacher Torschütze beim 4:2-Sieg war der spätere SCB-Meistertrainer Bill Gilligan. Er spielte in einer Sturmlinie mit Pat Westrum, dem Vater von Ambri-Topskorer Erik Westrum. Bill Gilligan stand auch 1983 in Tokio an der B-WM nochmals im Team USA, das ein Jahr nach dem Abstieg postwendend wieder in die A-Gruppe zurückkehrte. Hinter Bill Gilligan verteidigte Ron Wilson, heute Headcoach der USA, und neben ihm stürmte John Harrington, der in der abgelaufenen Meisterschaft in Ambri als Cheftrainer vorzeitig entlassen wurde.

Heute vor 26 Jahren: Das letzte WM Spiel von Tretjak


Heute vor 26 Jahren, am 2. Mai 1983, bestritt der russische Weltklassetorhüter Wjatscheslaw Tretjak an der WM in München sein 117. und letztes WM-Spiel. Das Team von Erfolgstrainer Wiktor Tichonow schlug die Kanadier mit 8:2 und sicherte sich den 19. WM-Titel. Tretjak war unter den Goalies eine Klasse für sich. In sieben Spielen mit vier Shutouts wehrte er 97,2 Prozent aller Schüsse ab, wurde in 420 Minuten nur vier Mal bezwungen und erreichte damit den phantastischen Gegentordurchschnitt von 0,57 pro Match. Der Offizier aus der Armeemannschaft von ZSKA Moskau mit dem Grad eines „Ausland-Diplomaten“ ist einer der erfolgreichsten Eishockeyspieler aller Zeiten. Seine Medaillensammlung von 1970 bis 84 ist einzigartig. WM: 10 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze. Olympische Spiele: 3 x Gold, 1 x Silber. EM: 9 x Gold, 3 x Silber, 1 x Bronze. 1989 wurde Tretjak als erster russischer Spieler in die „Hall of Fame“ in Toronto (Ka) aufgenommen. Aber auch diese Ehrung konnte ihn nicht darüber hinwegtrösten, dass sein grösster Lebenstraum unerfüllt blieb. 1983 wurde er von den Montreal Canadiens gedraftet. Doch der „Eiserne Vorhang“ und das „Njet“ von Headcoach Tichonow verhinderten den Wechsel in die NHL. Nach dem Gewinn der Olympia-Goldmedaille 1984 in Sarajevo beendete Tretjak die Erfolgsgeschichte mit Tichonow im Streit und mit seinem Rücktritt. Heute ist der wohl beste Torhüter aller Zeiten russischer Verbandspräsident und sieht sich in Bern die WM an. 

Heute vor 16 Jahren: Abstieg nach dem Prager WM Fruehling

Heute vor 16 Jahren, am 1. Mai 1993, schlug eine der bittersten Stunden in der Schweizer Eishockeygeschichte. In München verloren die Eidgenossen nach einer 1:3-Blamage gegen Frankreich auch ihr zweites Relegationsrundenspiel gegen Norwegen mit 2:5 und stürzten in die WM-B-Gruppe ab. Und dies nur ein Jahr nach dem „Prager WM-Frühling“, einem sensationellen 4. Schlussrang 1992 in der Tschechoslowakei. Ausreden für das ernüchternde Abschneiden gabs eigentlich keine. Geführt wurde die Nationalmannschaft von Bill Gilligan und John Slettvoll, die in den vorangegangenen Jahren mit dem SC Bern und Lugano die Schweizer Meisterschaft dominiert hatten. Ihnen stand auch das Wunschkader zur Verfügung. Ein „Dream Team“, ein „Traum-Team“, das aber mit drei Zu-Null-Niederlagen gegen Kanada (0:2), Italien (0:1) und Russland (0:6) zur WM startete und im weiteren Turnierverlauf zu einem „Alptraum-Team“ wurde. Gilligan und Slettvoll hatten das „Heu nicht auf der gleichen Bühne“, zudem blieben die meisten, in der Schweizer Meisterschaft hoch gelobten Starspieler mehr oder weniger deutlich unter ihren Möglichkeiten. Verbandspräsident war damals der heutige Boss des Internationalen Eishockey-Verbandes, René Fasel. Der Aufsteiger aus Freiburg konnte jedoch den Abstieg auch nicht verhindern. Über die Zukunft von Headcoach Bill Gilligan liess er nicht mit sich diskutieren: „Sein Vertrag läuft weiter, er ist für nächste Saison gesetzt.“ War er nicht. 1994 an der B-WM in Kopenhagen hiess der Headcoach Hans Lindberg und er schaffte den sofortigen Wiederaufstieg.