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Mark Streit: "Vielleicht holen wir eine Medaille?" |
Mark Streit nimmt vom 16. bis zum 28. Februar zum dritten Mal mit
der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft an Olympischen Winterspielen
teil. Aber zum ersten Mal überhaupt reist er als bestandener
NHL-Veteran an das weltgrösste Eishockeyturnier. Slapshot.ch hat mit
dem Nationalmannschafts-Kapitän über seine Rolle im Nationalteam
gesprochen, seine Olympischen Erfahrungen und die Chancen, in Vancouver
eine Medaille zu gewinnen.
Mark Streit, verdirbt Geld den Charakter? Weshalb fragen sie mich das?
Seit
wir uns das letzte Mal gesehen haben, haben ihnen die New York
Islanders ungefähr drei Millionen US-Dollar auf ihr Bankkonto
überwiesen. Ich denke, dass es Menschen gibt, die sich mit
finanziellem Erfolg verändern. Für mich ist das Geld, das ich für
meinen Job erhalte, nie ein Thema. Ich geniesse die Freiheit, die Geld
mit sich bringt und ich schätze es sehr, dass mir die New York
Islanders ermöglichen, im Sommer schöne Ferien zu verbringen. Ich habe
aber eine gute Erziehung von Eltern genossen, die ihr Leben lang
gearbeitet haben und mir mit vielen Entbehrungen eine Eishockeykarriere
ermöglicht haben. Mein Elternhaus hat mich gelehrt, Werte zu schätzen
und ich bin sehr dankbar, dass meine Eltern dafür gesorgt haben, dass
Geld meinen Charakter nicht verderben kann.
Sie erfüllen bei
den New York Islanders die Rolle, die sie zuvor bei den ZSC Lions
hatten und aktuell in der Nationalmannschaft haben. Gab es, als sie vor
bald 15 Jahren neu zur Nationalmannschaft gestossen sind, auch Spieler
mit der Narrenfreiheit, die sie heute unter Ralph Krueger geniessen? Ich
habe in der Nationalmannschaft keine andere Position als Martin Plüss,
Mathias Seger, Ivo Rüthemann oder Jonas Hiller. Wir sind einfach
routinierte Spieler mit viel Erfahrung. Und früher waren das Renato
Tosio, Felix Hollenstein oder Patrick Howald. Für mich waren das, als
ich als junger Spieler zum ersten Mal für die Nationalmannschaft
aufgeboten wurde, absolute Superstars. Als Berner war es für mich
überwältigend, mit Renato Tosio im Kader zu stehen. Ich denke, es hat
immer Nationalmannschaftsstars gegeben und es wird auch in 20 Jahren
noch Nationalmannschaftsstars geben. Da tanze ich nicht aus der Reihe.
"Eishockey ist auf den kleinen NHL-Eisfeldern viel attraktiver als auf den grossen Eisfeldern Europas."
Wann werden sie nach Vancouver zu den Olympischen Spielen reisen? Wir
haben am 14. Februar um 17:00 Uhr ein Heimspiel gegen die Ottawa
Senators und danach werde ich gleich zum Flughafen fahren und nach
Vancouver fliegen. Ich werde dort in der Nacht auf Montag, den 15.
Februar, ankommen.
Das ist ein Tag vor dem Olympiastartspiel
gegen die USA. Für das Schweizer Nationalteam, das dann bereits über
eine Woche in Kanada weilen wird, bringt das Umstellungen mit sich. Das
ist eine neue Situation für die Schweizer Nationalmannschaft, weil wir
erst seit wenigen Jahren Stammspieler in Übersee haben. Wenn ich meine
Mannschaftskollegen oder Ralph Krueger nicht in- und auswendig kennen
würde, wäre das problematisch. Aber ich weiss, was mich erwarten wird
und ich werde mir einfach sehr bewusst vor Augen führen müssen, wie
Ralph spielen will, wie wir das Powerplay aufziehen und dann bin ich
schnell in dieses Team integriert. Zudem wird das Turnier ja auf
kleinen Eisfeldern gespielt und ich bin nur drei Zeitzonen von
Vancouver entfernt beheimatet. Die meisten meiner Kollegen müssen, um
an die Olympischen Spiele zu reisen, neun Zeitzonen durchreisen.
Deshalb erwarte ich eigentlich, dass die Umstellungen vor den
Olympischen Winterspielen für meine Nationalmannschaftskollegen grösser
sein werden als für mich und weil wir die Situation, dass ich erst kurz
vor dem Turnier zum Team stosse, von der WM 2009 her bereits kennen,
sehe ich da keine Probleme.
Wird die Schweiz in Vancouver auf den kleinen Eisfeldern wieder so erfrischend offensiv aufspielen wie an der WM 2008 in Quebec? Das
weiss ich nicht aber ich erhoffe es mir. Eishockey ist auf den kleinen
NHL-Eisfeldern viel attraktiver als auf den grossen Eisfeldern Europas
und alle Nationalmannschaftsspieler haben einfach pure Freude, auf dem
kleinen Eisfeld zu spielen.
Sie kennen die Stars an den
Olympischen Winterspielen aus der NHL. Logisch, dass in Vancouver auch
die besten Torhüter der Welt vereint sein werden. Bitte geben sie doch
zu den folgenden Namen einen kurzen Kommentar ab: Martin Brodeur (CAN): Der beste Torhüter aller Zeiten. Ryan Miller (USA): Der beste Torhüter der aktuellen NHL-Saison. Evgeni Nabokov (RUS): Der Marathonmann, der unglaublich viel spielt. Er ist sehr ruhig und abgeklärt, ein Routinier. Mikka Kiprusoff (FIN):
Ein typischer Finne, man kann ihn nicht aus der Ruhe bringen. Sein Stil
ist unspektakulär, er ist kein Zappelphilipp, er ist abgeklärt und
einer der besten NHL-Goalies. Thomas Vokoun (CZE): Sagen sie
mir, wie Thomas Vokoun in den ersten fünf Minuten gespielt hat und ich
sage ihnen, wie er das Spiel beenden wird. Vokoun ist ein launischer
Torhüter, der an guten Tagen Weltklasse ist und manchmal schlechte
Partien spielt. Wenn man ihm aber die Sicht nicht verdeckt, ist er kaum
zu bezwingen. Henrik Lundqvist (SWE): Wenn Schweden den
Kanadiern erneut die Suppe versalzt und die Olympische Goldmedaille
gewinnt, dann ist das, weil sie mit Henrik Lundqvist einen der besten
Torhüter der Welt haben. Jonas Hiller (SUI): Zusammen mit Tobias Stephan und früher Martin Gerber unser grosser Rückhalt. Er hat eine riesige Entwicklung durchgemacht.
Stehen sie im Kontakt mit Jonas Hiller? Manchmal per SMS aber wir haben uns diese Saison noch nie gesehen.
"In einer Stadt wie Turin Olympische Spiele abzuhalten ist ein Witz. Dafür können wir, im Gegensatz zu Salt Lake City, mit dem sportlichen Erfolg in Turin zufrieden sein."
Wer wird Olympiasieger? Wenn
alles nach Plan läuft, werden Kanada und Russland im Final stehen und
Kanada gewinnt. Allerdings lastet ein riesiger Druck auf den Kanadiern
und es ist möglich, dass ein Team wie zum Beispiel Schweden alle Pläne
durchkreuzt und auf fremdem Territorium den Olympiasieg stiehlt.
Die
Schweiz hat nach Salt Lake City (11. Rang) fünf Ränge gut gemacht und
in Turin mit dem sechsten Rang über weite Strecken überzeugt.
Rekapitulieren sie für uns die Schweizerische Olympiageschichte unter
Ralph Krueger. Salt Lake City ist für mich unvergesslich, auch
wenn das sportliche Abschneiden der Schweiz enttäuschend war. Für mich
war dieses Turnier die erste Olympische Erfahrung und deshalb bleibt
der Anlass in meinen Memoiren ganz oben stehen. Turin war dem entgegen
sehr hektisch. Ich bin erst kurz vor dem Start zum Eishockeyturnier
angereist und ich habe die Eröffnungsfeier verpasst. Die Stadt Turin
hat dann untermauert, dass sie kein Wintersportort ist. Das Olympische
Dorf wurde gleich neben den Bahngleisen errichtet und als ich ein Taxi
bestieg und dem Chauffeur erzählt habe, ich sei ein Olympischer
Eishockeyspieler, wusste der nicht, wovon ich spreche. In so einer
Stadt Olympische Spiele abzuhalten ist ein Witz. Dafür können wir, im
Gegensatz zu Salt Lake City, mit dem sportlichen Erfolg in Turin
zufrieden sein.
Was unterscheidet Olympische Winterspiele von einer Eishockey-Weltmeisterschaft? Die
Anwesenheit aller Sportler aus verschiedensten Disziplinen. Die
Leistungen vieler Kollegen der Schweizer Olympiadelegation verfolge ich
während der Olympiade (Zeitraum zwischen den Olympischen Spielen, die
Red.). Und an den Olympischen Spielen ist man dann auf einmal zusammen
mit diesen Sportlern in einer nationalen Delegation.
Welche Schweizer Wintersportarten verfolgen sie denn? Ich bin ein Fan vom Skisport.
Fahren sie selber Ski? Ja klar, fürs Leben gern.
Dürfen sie von den New York Islanders aus eine so gefährliche Sportart wie Skifahren in der Freizeit ausüben? Leider
nein aber ich hätte auch schlichtweg nie Zeit, Ski zu fahren. Das
letzte Mal, als ich auf den Skis gestanden bin, war, als ich in Davos
gespielt habe.
"Vor vier Jahren in Turin habe ich vor den Olympischen Spielen sieben Partien mit Montreal zusehen müssen."
Wie schätzen sie denn die Chancen der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft an den Olympischen Winterspielen in Vancouver ein? Es
wird schwierig sein, noch besser abzuschneiden als vor vier Jahren in
Turin, als wir die Olympischen Spiele auf dem sechsten Rang beendet
haben. Das war ein riesiger Erfolg, den wir unbedingt wiederholen
wollen. Und vielleicht sorgen wir ja für eine Überraschung und spielen
um eine Medaille.
Was erwarten sie in Vancouver von sich selber? Ich
erwarte, dass ich meine Rolle im Dienst der Nationalmannschaft spielen
werde. Vor vier Jahren in Turin habe ich vor den Olympischen Spielen
sieben Partien mit Montreal zusehen müssen. Dann flog ich nach Turin
und ich hatte 25 Minuten Eiszeit pro Spiel. Dieses Mal werde ich besser
im Rhythmus sein, jetzt bin ich so etwas wie ein NHL-Veteran und vor
allem spiele ich in der NHL auch immer als Verteidiger. Das war damals
in Montreal nicht immer der Fall.
Weshalb ist die Schweiz in der Weltrangliste auf dem siebten Rang? Weil
wir hart dafür gearbeitet haben. Der siebte Weltranglistenplatz ist
sehr schmeichelhaft, ich würde einfach sagen, dass wir uns in der
Top-Acht der Welt etabliert haben.
Also kann man sagen, dass Ralph Krueger in den letzten Jahren das Optimum aus dieser Nationalmannschaft herausgeholt hat. Realistisch
gesehen ist der siebte Rang eine sehr gute Position für die Schweizer
Nationalmannschaft. Das Optimum ist damit aber sicher nicht erreicht.
Der nächste Schritt in Richtung Weltspitze beginnt bei den heutigen
Junioren. Sie müssen die Mentalität entwickeln, mit einer Karriere in
der Schweiz nicht mehr zufrieden zu sein. Das Potential und das Talent
dazu ist in unserem kleinen Land vorhanden.
Ist das der Weg für die Schweiz an die Weltspitze? Ja
klar, wir brauchen viel mehr Spieler im Ausland. In der Schweiz ist der
Wettbewerb nie so hart wie in der NHL. Wir messen uns international mit
Spielern, die täglich alles unternehmen, um in die NHL zu kommen oder
in der NHL zu bleiben. Für diese Spieler heisst es jeden Morgen ?Do or
Die? - Friss oder Stirb. Das ist in der Schweiz nicht der Fall. Wollen
wir mit der Nationalmannschaft einen weiteren Schritt vorwärts kommen,
brauchen wir mehr Spieler, die sich diesem Konkurrenzkampf stellen.
Kennen sie Sean Simpson? Ja, ich kenne ihn, weil ich im Sommer jeweils bei den ZSC Lions trainiere.
Was können wir vom Nationaltrainer Sean Simpson erwarten? Ich
kenne Sean als akribischen Arbeiter, der immer sehr gut auf Spiele und
Trainings vorbereitet ist. Ich denke, er ist ein hervorragender Mann
für unsere Nationalmannschaft.
Hiller: "Es ist Zeit, im Viertelfinale zu überraschen."
Brodeur: "Wir haben uns über die Schweiz hinweggesetzt."
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Autor: federer
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