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Streit: "Hockey macht auf den kleinen Eisfeldern mehr Spass."

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Spacer Kolumne vom 08.02.2010 Spacer
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Mark Streit: "Vielleicht holen wir eine Medaille?" Mark Streit: "Vielleicht holen wir eine Medaille?"
Mark Streit nimmt vom 16. bis zum 28. Februar zum dritten Mal mit der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft an Olympischen Winterspielen teil. Aber zum ersten Mal überhaupt reist er als bestandener NHL-Veteran an das weltgrösste Eishockeyturnier. Slapshot.ch hat mit dem Nationalmannschafts-Kapitän über seine Rolle im Nationalteam gesprochen, seine Olympischen Erfahrungen und die Chancen, in Vancouver eine Medaille zu gewinnen.

Mark Streit, verdirbt Geld den Charakter?
Weshalb fragen sie mich das?

Seit wir uns das letzte Mal gesehen haben, haben ihnen die New York Islanders ungefähr drei Millionen US-Dollar auf ihr Bankkonto überwiesen.
Ich denke, dass es Menschen gibt, die sich mit finanziellem Erfolg verändern. Für mich ist das Geld, das ich für meinen Job erhalte, nie ein Thema. Ich geniesse die Freiheit, die Geld mit sich bringt und ich schätze es sehr, dass mir die New York Islanders ermöglichen, im Sommer schöne Ferien zu verbringen. Ich habe aber eine gute Erziehung von Eltern genossen, die ihr Leben lang gearbeitet haben und mir mit vielen Entbehrungen eine Eishockeykarriere ermöglicht haben. Mein Elternhaus hat mich gelehrt, Werte zu schätzen und ich bin sehr dankbar, dass meine Eltern dafür gesorgt haben, dass Geld meinen Charakter nicht verderben kann.

Sie erfüllen bei den New York Islanders die Rolle, die sie zuvor bei den ZSC Lions hatten und aktuell in der Nationalmannschaft haben. Gab es, als sie vor bald 15 Jahren neu zur Nationalmannschaft gestossen sind, auch Spieler mit der Narrenfreiheit, die sie heute unter Ralph Krueger geniessen?
Ich habe in der Nationalmannschaft keine andere Position als Martin Plüss, Mathias Seger, Ivo Rüthemann oder Jonas Hiller. Wir sind einfach routinierte Spieler mit viel Erfahrung. Und früher waren das Renato Tosio, Felix Hollenstein oder Patrick Howald. Für mich waren das, als ich als junger Spieler zum ersten Mal für die Nationalmannschaft aufgeboten wurde, absolute Superstars. Als Berner war es für mich überwältigend, mit Renato Tosio im Kader zu stehen. Ich denke, es hat immer Nationalmannschaftsstars gegeben und es wird auch in 20 Jahren noch Nationalmannschaftsstars geben. Da tanze ich nicht aus der Reihe.

"Eishockey ist auf den
kleinen NHL-Eisfeldern
viel attraktiver als auf
den grossen Eisfeldern
Europas."


Wann werden sie nach Vancouver zu den Olympischen Spielen reisen?
Wir haben am 14. Februar um 17:00 Uhr ein Heimspiel gegen die Ottawa Senators und danach werde ich gleich zum Flughafen fahren und nach Vancouver fliegen. Ich werde dort in der Nacht auf Montag, den 15. Februar, ankommen.

Das ist ein Tag vor dem Olympiastartspiel gegen die USA. Für das Schweizer Nationalteam, das dann bereits über eine Woche in Kanada weilen wird, bringt das Umstellungen mit sich.
Das ist eine neue Situation für die Schweizer Nationalmannschaft, weil wir erst seit wenigen Jahren Stammspieler in Übersee haben. Wenn ich meine Mannschaftskollegen oder Ralph Krueger nicht in- und auswendig kennen würde, wäre das problematisch. Aber ich weiss, was mich erwarten wird und ich werde mir einfach sehr bewusst vor Augen führen müssen, wie Ralph spielen will, wie wir das Powerplay aufziehen und dann bin ich schnell in dieses Team integriert. Zudem wird das Turnier ja auf kleinen Eisfeldern gespielt und ich bin nur drei Zeitzonen von Vancouver entfernt beheimatet. Die meisten meiner Kollegen müssen, um an die Olympischen Spiele zu reisen, neun Zeitzonen durchreisen. Deshalb erwarte ich eigentlich, dass die Umstellungen vor den Olympischen Winterspielen für meine Nationalmannschaftskollegen grösser sein werden als für mich und weil wir die Situation, dass ich erst kurz vor dem Turnier zum Team stosse, von der WM 2009 her bereits kennen, sehe ich da keine Probleme.

Wird die Schweiz in Vancouver auf den kleinen Eisfeldern wieder so erfrischend offensiv aufspielen wie an der WM 2008 in Quebec?
Das weiss ich nicht aber ich erhoffe es mir. Eishockey ist auf den kleinen NHL-Eisfeldern viel attraktiver als auf den grossen Eisfeldern Europas und alle Nationalmannschaftsspieler haben einfach pure Freude, auf dem kleinen Eisfeld zu spielen.

Sie kennen die Stars an den Olympischen Winterspielen aus der NHL. Logisch, dass in Vancouver auch die besten Torhüter der Welt vereint sein werden. Bitte geben sie doch zu den folgenden Namen einen kurzen Kommentar ab:
Martin Brodeur (CAN): Der beste Torhüter aller Zeiten.
Ryan Miller (USA): Der beste Torhüter der aktuellen NHL-Saison.
Evgeni Nabokov (RUS): Der Marathonmann, der unglaublich viel spielt. Er ist sehr ruhig und abgeklärt, ein Routinier.
Mikka Kiprusoff (FIN): Ein typischer Finne, man kann ihn nicht aus der Ruhe bringen. Sein Stil ist unspektakulär, er ist kein Zappelphilipp, er ist abgeklärt und einer der besten NHL-Goalies.
Thomas Vokoun (CZE): Sagen sie mir, wie Thomas Vokoun in den ersten fünf Minuten gespielt hat und ich sage ihnen, wie er das Spiel beenden wird. Vokoun ist ein launischer Torhüter, der an guten Tagen Weltklasse ist und manchmal schlechte Partien spielt. Wenn man ihm aber die Sicht nicht verdeckt, ist er kaum zu bezwingen.
Henrik Lundqvist (SWE): Wenn Schweden den Kanadiern erneut die Suppe versalzt und die Olympische Goldmedaille gewinnt, dann ist das, weil sie mit Henrik Lundqvist einen der besten Torhüter der Welt haben.
Jonas Hiller (SUI): Zusammen mit Tobias Stephan und früher Martin Gerber unser grosser Rückhalt. Er hat eine riesige Entwicklung durchgemacht.

Stehen sie im Kontakt mit Jonas Hiller?
Manchmal per SMS aber wir haben uns diese Saison noch nie gesehen.

"In einer Stadt wie Turin Olympische Spiele
abzuhalten ist ein Witz. Dafür können wir,
im Gegensatz zu Salt Lake City, mit dem
sportlichen Erfolg in Turin zufrieden sein."


Wer wird Olympiasieger?
Wenn alles nach Plan läuft, werden Kanada und Russland im Final stehen und Kanada gewinnt. Allerdings lastet ein riesiger Druck auf den Kanadiern und es ist möglich, dass ein Team wie zum Beispiel Schweden alle Pläne durchkreuzt und auf fremdem Territorium den Olympiasieg stiehlt.

Die Schweiz hat nach Salt Lake City (11. Rang) fünf Ränge gut gemacht und in Turin mit dem sechsten Rang über weite Strecken überzeugt. Rekapitulieren sie für uns die Schweizerische Olympiageschichte unter Ralph Krueger.
Salt Lake City ist für mich unvergesslich, auch wenn das sportliche Abschneiden der Schweiz enttäuschend war. Für mich war dieses Turnier die erste Olympische Erfahrung und deshalb bleibt der Anlass in meinen Memoiren ganz oben stehen. Turin war dem entgegen sehr hektisch. Ich bin erst kurz vor dem Start zum Eishockeyturnier angereist und ich habe die Eröffnungsfeier verpasst. Die Stadt Turin hat dann untermauert, dass sie kein Wintersportort ist. Das Olympische Dorf wurde gleich neben den Bahngleisen errichtet und als ich ein Taxi bestieg und dem Chauffeur erzählt habe, ich sei ein Olympischer Eishockeyspieler, wusste der nicht, wovon ich spreche. In so einer Stadt Olympische Spiele abzuhalten ist ein Witz. Dafür können wir, im Gegensatz zu Salt Lake City, mit dem sportlichen Erfolg in Turin zufrieden sein.

Was unterscheidet Olympische Winterspiele von einer Eishockey-Weltmeisterschaft?
Die Anwesenheit aller Sportler aus verschiedensten Disziplinen. Die Leistungen vieler Kollegen der Schweizer Olympiadelegation verfolge ich während der Olympiade (Zeitraum zwischen den Olympischen Spielen, die Red.). Und an den Olympischen Spielen ist man dann auf einmal zusammen mit diesen Sportlern in einer nationalen Delegation.

Welche Schweizer Wintersportarten verfolgen sie denn?
Ich bin ein Fan vom Skisport.

Fahren sie selber Ski?
Ja klar, fürs Leben gern.

Dürfen sie von den New York Islanders aus eine so gefährliche Sportart wie Skifahren in der Freizeit ausüben?
Leider nein aber ich hätte auch schlichtweg nie Zeit, Ski zu fahren. Das letzte Mal, als ich auf den Skis gestanden bin, war, als ich in Davos gespielt habe.

"Vor vier Jahren in Turin habe ich
vor den Olympischen Spielen
sieben Partien mit Montreal
zusehen müssen."

Wie schätzen sie denn die Chancen der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft an den Olympischen  Winterspielen in Vancouver ein?
Es wird schwierig sein, noch besser abzuschneiden als vor vier Jahren in Turin, als wir die Olympischen Spiele auf dem sechsten Rang beendet haben. Das war ein riesiger Erfolg, den wir unbedingt wiederholen wollen. Und vielleicht sorgen wir ja für eine Überraschung und spielen um eine Medaille.

Was erwarten sie in Vancouver von sich selber?
Ich erwarte, dass ich meine Rolle im Dienst der Nationalmannschaft spielen werde. Vor vier Jahren in Turin habe ich vor den Olympischen Spielen sieben Partien mit Montreal zusehen müssen. Dann flog ich nach Turin und ich hatte 25 Minuten Eiszeit pro Spiel. Dieses Mal werde ich besser im Rhythmus sein, jetzt bin ich so etwas wie ein NHL-Veteran und vor allem spiele ich in der NHL auch immer als Verteidiger. Das war damals in Montreal nicht immer der Fall.

Weshalb ist die Schweiz in der Weltrangliste auf dem siebten Rang?
Weil wir hart dafür gearbeitet haben. Der siebte Weltranglistenplatz ist sehr schmeichelhaft, ich würde einfach sagen, dass wir uns in der Top-Acht der Welt etabliert haben.

Also kann man sagen, dass Ralph Krueger in den letzten Jahren das Optimum aus dieser Nationalmannschaft herausgeholt hat.
Realistisch gesehen ist der siebte Rang eine sehr gute Position für die Schweizer Nationalmannschaft. Das Optimum ist damit aber sicher nicht erreicht. Der nächste Schritt in Richtung Weltspitze beginnt bei den heutigen Junioren. Sie müssen die Mentalität entwickeln, mit einer Karriere in der Schweiz nicht mehr zufrieden zu sein. Das Potential und das Talent dazu ist in unserem kleinen Land vorhanden.

Ist das der Weg für die Schweiz an die Weltspitze?
Ja klar, wir brauchen viel mehr Spieler im Ausland. In der Schweiz ist der Wettbewerb nie so hart wie in der NHL. Wir messen uns international mit Spielern, die täglich alles unternehmen, um in die NHL zu kommen oder in der NHL zu bleiben. Für diese Spieler heisst es jeden Morgen ?Do or Die? - Friss oder Stirb. Das ist in der Schweiz nicht der Fall. Wollen wir mit der Nationalmannschaft einen weiteren Schritt vorwärts kommen, brauchen wir mehr Spieler, die sich diesem Konkurrenzkampf stellen.

Kennen sie Sean Simpson?
Ja, ich kenne ihn, weil ich im Sommer jeweils bei den ZSC Lions trainiere.

Was können wir vom Nationaltrainer Sean Simpson erwarten?
Ich kenne Sean als akribischen Arbeiter, der immer sehr gut auf Spiele und Trainings vorbereitet ist. Ich denke, er ist ein hervorragender Mann für unsere Nationalmannschaft.

Hiller: "Es ist Zeit, im Viertelfinale zu überraschen."
Brodeur: "Wir haben uns über die Schweiz hinweggesetzt."
Autor: federer


 
 
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